Fachkundenachweis: Das haben Seefahrer, Psychotherapeuten und Imker gemeinsam

Stempel mit Aufdruck zertifiziert
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Wer detailliert recherchieren würde, könnte sicherlich Fachkundenachweise für alle Berufe von A wie Abfallbeauftragter bis Z wie Zusatzbezeichnung finden. Das Ergebnis wäre ein buntes Sammelsurium an Vorgaben, die nicht nur branchen- oder berufsspezifisch variieren, sondern auch regional unterschiedlich ausfallen. Die Frage danach, welche Fachkunde denn nun nachgewiesen werden muss, um eine Erlaubnis zur Aufnahme eines Gewerbes zu erwirken, kann folglich nicht eindeutig beantwortet werden.

Um zu verhindern, dass ein fehlender Fachkundenachweis die Anmeldung des Gewerbes unmöglich macht oder verzögert, ist eine solide Information im Vorfeld sinnvoll. Sprich: Wer auf „Nummer Sicher“ gehen möchte, ob ein Fachkundenachweis vorgelegt werde muss – und wenn ja in welcher Form – informiert sich frühzeitig vor der Gewerbeanmeldung.

Qualifizierte Auskünfte können die IHK und die HWK jeweils für die von ihnen vertretenen Berufsgruppen geben. Falls ein entsprechendes Details im Nachweis der Fachkunde fehlt, sind Unternehmer dort doppelt richtig, denn hier wird in der Regel auch die Ausstellung von Fachkundenachweisen umgesetzt. Häufig handelt es sich dabei um

  • kurze Zertifikatskurse,
  • Unterweisungen mit anschließender Prüfung oder
  • einem anderen praxisnahen Verfahren, das sicherstellt, dass ausreichend Fachkenntnisse zur Ausübung des Berufs vorhanden sind.

Auch ist es möglich, dass die bereits absolvierten Prüfungen und Zertifikate lediglich zu einem neuen Formular zusammengefügt werden. Das ist vor allem in den Berufen nötig, die nicht mit einer strengen Aus- und Weiterbildungsverordnung reglementiert sind.

Wie oft der Begriff „Fachkundenachweis“ bemüht wird, zeigen die folgenden drei, ganz unterschiedlichen Beispiele.
 

Psychotherapeuten brauchen einen Fachkundenachweis

Dass der „Fachkundenachweis“ kein gesetzlich geschützter Begriff ist, wird spätestens dann deutlich, wenn er als Grundvoraussetzung für die eingangs erwähnten Seefahrer und für Psychotherapeuten auf dem Weg zum Arztregistereintrag genannt wird.

In diesem Fall folgt nach der Approbation

  • der Fachkundenachweis,
  • der Arztregistereintrag und dann
  • die Zulassung.

Der Fachkundenachweis ist hier getrennt von der Approbation zu betrachten. Während die Approbation die Ausbildung nach einem festgelegten wissenschaftlichen Verfahren vorsieht, prüft die Kassenärztliche Vereinigung, ob die Fachkunde nachgewiesen ist. Diese stellt im Bereich der Gesundheitsversorgung die gesetzliche Grundlage darf.
 

Der Fachkundenachweis für Imker

Der Fachkundenachweis für Imker wird zunehmend häufiger als Online-Kurs angeboten. Das bedeutet, dass via Webinar oder Selbststudium Kenntnisse über die Arbeit eines Imkers gewonnen werden, die dann entsprechend geprüft werden. Warum dieser Fachkundenachweis für Imker von großer Bedeutung ist, erklärt sich mit den Folgen dieser Auszeichnung. Wer als Imker seinen Honig mit der Auszeichnung „Echter Deutscher Honig“ bzw. „DIB“ als Abkürzung für den Deutschen Imkerverbund auszeichnen will, der muss Mitglied im Verbund sein und einen entsprechenden Fachkundenachweis erbringen.
 

Seefahrer brauchen einen Fachkundenachweis

Der Fachkundenachweis ist nicht etwa eine Grundvoraussetzung für künftige Gewerbetreibende. Der Fachkundenachweis ist vielmehr für diejenigen eine wichtige Grundvoraussetzung, die sich auf hohe See begeben wollen. Deutlicher wird der Inhalt des Fachkundenachweises, kurz: FKN, durch die Ergänzung um die Beschreibung „Fachkundenachweis für Seenotsignalmittel“. Auch bekannt ist dieser Fachkundenachweis als „kleiner Pyroschein“.

Der „kleine Pyroschein“ ist Pflicht für alle Wassersportler in Deutschland. Auf den meisten Yachten gibt es Möglichkeiten, mit Hilfe der Pyrotechnik ein Seenotsignal abzugeben – wenn die entsprechende Berechtigung und auch die nötige Fachkenntnis vorliegen. Der „große Pyroschein“ wird dann benötigt, wenn eine Signalpistole an Bord verfügbar ist, die das Kaliber 4 hat. Hinzu kommt dann die Vorschrift, dass ein entsprechender Sachkundenachweis vorgelegt werden muss.
 

Erkundigen Sie sich rechtzeitig und kümmern Sie sich um den nötigen Fachkundenachweis

Klar wird nach diesen Ausführungen aber auch: DAS kann nicht der Fachkundenachweis sein, der gemeint ist, wenn es um eine Gewerbeanmeldung geht. Sie sind dazu angehalten, sich im Vorfeld der Gewerbeanmeldung darüber zu informieren

  • ob ein FKN erforderlich ist und wenn ja,
  • welcher FKN vorzulegen ist und
  • wie Sie in den Besitz des erforderlichen FKN gelangen.

Sind dazu spezielle Kurse und Prüfungen nötig, dann müssen Sie den zeitlichen und finanziellen Aufwand berücksichtigen. Denn fehlt der FKN, wird die Gewerbeanmeldung daran scheitern.

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Im Zuge Ihrer Gewerbeanmeldung sollten Sie sich nun zeitnah um Ihre Krankenversicherung kümmern. Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr automatisch Pflichtmitglied in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse und müssen sich dort auf Antrag befreien lassen. Die Beiträge werden nun nach Ihrem Einkommen erhoben. Die Kosten belaufen sich im Jahr zwischen... [ weiter >>> ]

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