Genehmigungspflichtige Gewerbe / Lizenzen

    Frau mit Paragraphen-Symbol
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    Auf dem Weg zur Gewerbeanmeldung ist die Frage nach nötigen Lizenzen entscheidend. Grundsätzlich gilt: In Deutschland herrscht die sogenannte Gewerbefreiheit. Allerdings gilt auch hier das Prinzip, dass es keine Regel ohne Ausnahme gibt. Folglich gibt es für verschiedene Branchen auch ganz spezielle Lizenzvorschriften.


    Das sind die häufigsten zusätzlich erforderlichen „Lizenzen“

    In Abhängigkeit von der Branche sind in aller Regel diese drei Anforderungen üblich:

    1.) Ein Nachweis der fachlichen Fähigkeiten – in Form eines entsprechenden Zertifikats (Ausbildung, Weiterbildung, Studium).

    2.) Ein Nachweis der persönlichen Zuverlässigkeit – in Form eines polizeilichen Führungszeugnisses, ein Auszugs aus dem Gewerbezentralregister sowie eine sogenannten „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ vom Finanzamt.

    3.) Ein Nachweis der sachlichen Umsetzbarkeit – in Form eines Nachweises der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Stichwort: Schuldnerverzeichnis) sowie einem Nachweis, dass die nötigen Gewerberäume vorhanden sind und sich in einem dem Nutzungszweck entsprechenden Zustand befinden.


    In diesen Branchen sind spezielle Lizenzen bzw. Genehmigungen nötig

    Die Liste der Betriebe und Branchen, die zu den „genehmigungspflichtigen Tätigkeiten“ gehören ist lang. Um welche Betriebe es sich handelt und welche Lizenzen beigebracht werden müssen, zeigt die folgende Liste:

    • Apotheken
      Um eine Apotheke zu eröffnen, braucht der Apotheker eine sogenannte Approbation. Diese gilt nicht nur für die Person, sondern auch für die Geschäftsräume.
    • Arbeitnehmerüberlassung
      Nur wer eine Lizenz vom Landesarbeitsamt hat, darf in der Vermittlung von Leiharbeitern tätig werden.
    • Bauträger
      In Paragraf 34 c der Gewerbeordnung wurde festgehalten, dass Bauträger eine Lizenz brauchen, um ein Bauvorhaben mit fremdem Vermögen umzusetzen.
    • Beförderung
      Wer Waren für Dritte von A nach B kutschiert („Güterbeförderung“), der braucht eine Erlaubnis der Verkehrsbehörde. Wer im internationalen Güterverkehr tätig ist, braucht eine sogenannte EG-Lizenz und muss die fachliche Eignung nachweisen. Auch die Beförderung von Personen („Personenbeförderung“) ist erlaubnispflichtig. Im Linienverkehr muss der Regierungspräsident die Genehmigung erteilen. Im Taxi- und Mietwagenverkehr ist die untere Verkehrsbehörde zu konsultieren. Die fachliche Eignung zur Führung eines Taxi- und Mietwagenunternehmens muss nachgewiesen werden.
    • Bewachungsgewerbe
      Wer als Detektiv oder in einem anderen Beruf des Bewachungsgewerbes arbeiten möchte, muss eine spezielle Sachkundeprüfung absolvieren.
    • Einzelhandel/Großhandel
      Grundsätzlich braucht es keine Genehmigung, um im Einzelhandel tätig zu sein. Davon ausgenommen ist der Handel mit Arzneimitteln, Hackfleisch, Wirbeltieren sowie Waffen und Munition. Im Großhandel gibt es eine Lizenzpflicht für den Handel mit Sprengstoff und Chemikalien.
    • Finanzdienstleistungen
      Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht muss die Beschäftigung im Bereich Finanzdienstleistungen, Emissionsgeschäfte und Kreditwesen genehmigen. Wer diese Lizenz nicht hat, begeht eine Straftat.
    • Gastronomiebetriebe (Gaststätten/Hotels)
      Die Erlaubnis, einen Gastronomiebetrieb zu eröffnen, ist an die Person und an die Räumlichkeiten gebunden. Voraussetzung für die Erlaubnis nach dem Gaststättengesetz ist der Nachweis der Gaststättenunterrichtung.
    • Handwerk
      Die Handwerksrolleneintragung bzw. die bestandene Meisterprüfung (alternativ: Ausnahmebewilligung) sind im Handwerk Voraussetzung. Die Grenze zum Industriebetrieb ist häufig fließend und lässt sich am Grad der Automatisierung, an der Vorratsproduktion oder an einer Serienfertigung ablesen.
    • Inkasso
      Das Eintreiben von finanziellen Außenständen oder gar Schulden bedarf einer Lizenz des zuständigen Landes- oder Amtsgerichts. Geordnete wirtschaftliche Verhältnisse sowie ein Sachkundenachweis sind Voraussetzung für diese Lizenz.
    • Maklergewerbe
      Wer gewerbsmäßig Verträge, Immobilien oder gar Geld vermittelt, braucht eine spezielle Lizenz. Häufig werden auch Sicherheitsleistungen und Pflichtversicherungen mit der obligatorischen Lizenz verbunden.
    • Reisegewerbe
      Dieser Begriff wird häufig fehl-interpretiert, denn das „Reisegewerbe“ ist der Direktvertrieb an der Haustür oder am Verkaufsstand auf der Straße. Dafür ist eine sogenannte Reisegewerbekarte Pflicht.
    • Sachverständigentätigkeit
      Nur wer von einer Industrie- und Handelskammer zum Sachverständigen bestellt worden ist, hat die Lizenz als „Sacherverständiger“. Grundvoraussetzung für diese Lizenz ist ein spezieller Sachkundenachweis sowie ein hohes Maß an Vertrauenswürdigkeit.
    • Spielbetrieb
      Wer Spielgeräte aufstellen, Spielhallen betreiben oder Spiele mit Gewinnoption anbieten möchte, braucht eine Lizenz (Paragraf 33 c, Gewerbeordnung).
    • Versicherungen
      Wer beratend tätig sein möchte – ohne zu einem Versicherungsunternehmen zu gehören – muss eine Lizenz der Industrie- und Handelskammer vorweisen können. Gleiches gilt für den Versicherungsermittler, der als Vertreter agiert.
    • Versteigerer
      Versteigerer unterliegen der Versteigerer-Ordnung und müssen in diesem Zusammenhang spezielle Pflichten erfüllen.

    Was passiert mit meiner Krankenversicherung nach der Gewerbeanmeldung?

    Im Zuge Ihrer Gewerbeanmeldung sollten Sie sich nun zeitnah um Ihre Krankenversicherung kümmern. Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr automatisch Pflichtmitglied in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse und müssen sich dort auf Antrag befreien lassen. Die Beiträge werden nun nach Ihrem Einkommen erhoben. Die Kosten belaufen sich im Jahr zwischen... [ weiter >>> ]

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    • Auch wenn die in Deutschland geltende Gewerbeordnung (GewO) grundsätzlich eine Gewerbefreiheit für das Berufsfeld der Versicherungsvermittlung vorsieht, so reicht in einigen Fällen eine bloße Gewerbeanmeldung nicht aus. Vielmehr sind ferner zahlreiche Nachweise vorzulegen, um eine so genannte Erlaubnis zu erlangen.