Was ist der Gewerbesteuer-Hebesatz?

Neben der eigentlichen Gewerbeanmeldung, die mit dem Erwerb eines erforderlichen Gewerbescheines erfolgreich abgeschlossen wird, spielt auch der Gewerbesteuer Hebesatz eine gewisse Rolle mit Blick auf die Planung der Finanzen. Ein Gewerbe kostet nicht nur bei der Anmeldung Geld, sondern es entstehen auch dauerhafte Kosten in Form der Gewerbesteuer. Die Höhe der abzuführenden Steuerlast kann von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich hoch sein, genau hier kommt der in diesem Beitrag beschriebene Hebesatz zum Einsatz.
 

Welche Fragen dieser Beitrag mit Blick auf den Gewerbesteuer Hebesatz beantwortet

  • Was versteht man unter dem Gewerbesteuer Hebesatz?
  • Wie hoch ist der Gewerbesteuer Hebesatz?
  • Wie kann ich die Höhe der Gewerbesteuer berechnen?
  • Mit welchen dauerhaften Kosten muss ich für mein Gewerbe rechnen?
  • Standortwahl: Warum können höhere Kosten u.U. gerechtfertigt sein?
     

Grundlagen zum Gewerbesteuer Hebesatz

Generell entscheidet die Gewerbesteuerpflicht darüber, ob überhaupt Gewerbesteuer abgeführt werden muss. Grundsätzlich unterliegen in Deutschland alle Gewerbebetriebe auch der Gewerbesteuerpflicht. Übrigens wurde die Gewerbesteuer in mehreren Urteilen des Bundesfinanzhofes als verfassungsgemäß gewertet. Die Höhe der abzuführenden Steuerlast kann mit einem Gewerbesteuer-Rechner online sehr schnell zwecks Planung und Einschätzung ermittelt werden. Generell gilt derzeit ein Gewerbesteuerfreibetrag von 24.500 Euro im Jahr. Einnahmen unterhalb dieser Grenze werden nicht von der Gewerbesteuer erfasst. Zudem gibt es für Gewerbesteuerzahlende eine Ermäßigung bei der Einkommenssteuer in Bezug auf die Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb (vergleiche Paragraf 35 Einkommenssteuergesetz). Die konkrete Höhe der zu zahlenden Gewerbesteuer hängt vom jeweiligen Hebesatz ab, der in einer Stadt/Gemeinde gilt. Freiberufler müssen aufgrund ihres Status kein Gewerbe anmelden und demnach auch keine Gewerbesteuer abführen. Beim Hebesatz handelt es sich um einen Begriff aus dem Gemeindesteuerrecht. Konkret geht es um einen Faktor, der mit dem Steuermessbetrag multipliziert wird. Das Ergebnis ist die individuell zu tragende Steuerlast. Mit dem Hebesatz haben Gemeinden das Recht, die Gewerbe- und auch Grundsteuer in ihrer Höhe direkt zu beeinflussen. Seit dem Jahr 2004 müssen Gemeinden in Deutschland mindestens einen Hebesatz von 200 % anwenden (Grundlage: Paragraf 16 Absatz 4 Satz 2 Gewerbesteuergesetz). Durch diese Regelung sollen so genannte ‚Gewerbesteueroasen‘ verhindert werden. In der wirtschaftsstarken Metropole München liegt der Hebesatz aktuell bei 490 %, wobei er im Umland zwischen 240 und 350 % schwankt. Dierfeld in Rheinland-Pfalz hat mit 900 % den höchsten Hebesatz hierzulande vorzuweisen.
 

Berechnung der Gewerbesteuer: praxisorientierte Überlegungen

Generell wird die abzuführende Gewerbesteuer auf der Grundlage des ermittelten Gewinns berechnet. Zu beachten ist allerdings, dass noch so genannte Kürzungen oder Hinzurechnungen vorzunehmen sind. Der konkrete Gewerbeertrag wird mit der so genannten einheitlichen Gewerbesteuermesszahl (3,5 %) multipliziert. Dieser Wert wird schließlich noch mit dem Gewerbesteuerhebesatz multipliziert. Liegt der Gewerbeertrag nach Berücksichtigung von Kürzungen oder Hinzurechnungen bei 100.000 Euro, so ergibt sich durch die Steuermesszahl von 3,5 % ein Wert von 3.500 Euro. Bei einem Hebesatz von 300 % betrüge die abzuführende Gewerbesteuer 10.500 Euro. Würde der Mindesthebesatz von 200 % gelten, so müssten nur 7.000 Euro Gewerbesteuer gezahlt werden.
 

Mehr als nur ein formaler (Neben)aspekt bei der Gewerbeanmeldung: Gewerbesteuer als Standortfaktor

Wie bereits angedeutet, hängt die Höhe der Gewerbesteuer durch den geltenden Hebesatz direkt von der Gemeinde und somit vom Standort ab. Letztlich konkurrieren Gemeinden so untereinander, um Gewerbebetriebe anzulocken. Standorte mit guter Infrastruktur können sich aber im Wettbewerb auch höhere Hebesätze leisten, da Unternehmen die Standortvorteile zu schätzen wissen. Strukturschwächere Standorte haben meistens einen geringeren Hebesatz. Der Hebesatz beeinflusst zwar unmittelbar die Kostenlast eines Unternehmens, letztlich muss der Standort aber auch vorteilhaft sein: Es nützt nichts, den gewerbesteuerlich günstigeren Standort zu wählen, wenn er langfristig im Vergleich zu Alternativen keinen nachhaltigen Wachstumskurs zulässt. Mit anderen Worten: Ein sehr guter Standort kann eine höhere Ausgabenlast in puncto Gewerbesteuer durchaus rechtfertigen bzw. mit Mehreinnahmen mehr als ausgleichen.
 

Fazit: Einschätzung, Ausblick und Berechnung anhand eines Beispiels

Wird wieder von einem Gewerbeertrag von 100.000 Euro im Jahr ausgegangen, so ergibt sich zwischen einem Hebesatz von mindestens 200 % und 460 % in Frankfurt eine steuerliche Mehrbelastung von 9.100 Euro im Jahr. Jeder Existenzgründer sollte anhand von Standortvorteilen oder auch Nachteilen prüfen, ob diese höheren Kosten sich durch einen betriebswirtschaftlichen Mehrwert legitimieren lassen. Auf der Habenseite könnte etwa eine exzellente Infrastruktur in Form sehr guter Autobahnanbindungen, eines vorhandenen Flughafens sowie einer hohen Kaufkraft und eines guten Mitarbeiterpotenzials etc. stehen. In Bezug auf die meisten Existenzgründungen lässt sich feststellen, dass die Gewerbesteuer aufgrund des Freibetrages vor allem im ersten Jahr keine große Rolle spielen dürfte (noch weniger im Falle eines Kleingewerbes). In den darauffolgenden Geschäftsjahren, die idealerweise durch einen Wachstumskurs geprägt sein sollten, wird der Hebesatz je nach Standort aber zu deutlichen Unterschieden führen. Die Hebesätze schwanken zwischen dem gesetzlichen Minimum von 200 % bis zum aktuellen Spitzenreiter von 900 % (Dierfeld in Rheinland-Pfalz). Hier auf gewerbeanmeldung.de finden Interessenten viele weitere Informationen und praxisorientierte Tipps rund um den formalen Start in die Selbstständigkeit.
 

Kompakte Zusammenfassung zur Frage „Was ist der Gewerbesteuer Hebesatz?“

  • In Deutschland gilt eine Gewerbesteuerpflicht für Gewerbebetriebe, die in vielen Urteilen des Bundesfinanzhofes als verfassungsgemäß eingestuft wurde
  • aktueller Freibetrag pro Jahr für die Gewerbesteuer: 24.500 Euro
  • Gewerbesteuerzahlende erhalten eine Ermäßigung bei der Einkommenssteuer in Bezug auf die Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb (vergleiche Paragraf 35 des Einkommenssteuergesetzes)
  • Die konkrete Höhe der zu zahlenden Gewerbesteuer hängt vom jeweiligen Hebesatz ab, der in einer Stadt/Gemeinde gilt
  • Freiberufler müssen weder ein Gewerbe anmelden noch Gewerbesteuer zahlen
  • Hebesatz = Faktor, der mit dem Steuermessbetrag multipliziert wird
  • Seit 2004 müssen Gemeinden mindestens einen Hebesatz von 200 % ansetzen
  • ermittelter Gewinn = Grundlage zur Berechnung (man beachte ferner vorzunehmende Kürzungen oder Hinzurechnungen)
  • Berechnung der Gewerbesteuer: konkreter Gewerbeertrag x Gewerbesteuermesszahl (einheitlich 3,5 %). Der erhaltene Wert wird schließlich noch mit dem Gewerbesteuer Hebesatz multipliziert
  • Der Gewerbesteuer Hebesatz ist ein wichtiger Standortfaktor mit direktem Einfluss auf die Kostensituation von Betrieben
  • der Wirtschaftsstandort Deutschland zeigt eine Spannweite zwischen 200 und 900 % bei den Gewerbesteuer Hebesätzen

Die aktuellen Gewerbesteuerhebesätze der Großstädte in Deutschland (> 100.000 Einwohner) finden Sie in unserem Gewerbeamtsverzeichnis.

 

Was passiert mit meiner Krankenversicherung nach der Gewerbeanmeldung?

Im Zuge Ihrer Gewerbeanmeldung sollten Sie sich nun zeitnah um Ihre Krankenversicherung kümmern. Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr automatisch Pflichtmitglied in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse und müssen sich dort auf Antrag befreien lassen. Die Beiträge werden nun nach Ihrem Einkommen erhoben. Die Kosten belaufen sich im Jahr zwischen... [ weiter >>> ]

Leser dieses Artikels haben auch gelesen:

  • Die Gewerbesteuer ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Was Gewerbetreibende über die große Unbekannte wissen müssen, haben wir in diesem Artikel zusammengestellt.
     

  • Wer sich als Home Stager selbstständig macht, verschreibt sich beruflich dem Aufmöbeln von Immobilien, die auf den ersten Blick alles andere als ein Verkaufsschlager sind. Auch wenn das Berufsbild in Deutschland noch recht jung ist, so gilt es in Bezug auf die formalen Gründungsschritte einiges zu beachten.

  • Grundsätzlich sollten Existenzgründer wissen, dass die Berufsbezeichnung ‚Eventmanager‘ momentan (noch) nicht geschützt ist, sodass sich eigentlich jeder unabhängig von seinem beruflichen Hintergrund so nennen darf. Generell ist eine selbstständige Berufstätigkeit in den allermeisten Fällen gewerbepflichtig und somit gegenüber dem zuständigen Gewerbeamt anzuzeigen.