Nebenberuflich ein Gewerbe anmelden

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Wer sich in seinem Hauptberuf nicht ausgelastet fühlt, sich etwas hinzuverdienen oder in die Selbstständigkeit ohne großes Risiko hineinschnuppern möchte, sollte mit der Option spielen, ein nebenberufliches Gewerbe anzumelden. In diesem Beitrag sollen diesbezüglich alle wichtigen Aspekte praxisorientiert analysiert werden, die dabei eine zentrale Rolle spielen:

  • Was ist überhaupt ein nebenberufliches Gewerbe?
  • Welche Merkmale gibt es für diese Tätigkeit?
  • Welche Erlaubnisse/Voraussetzungen sind zu beachten?
  • Wie verhält es sich mit steuerlichen Aspekten?
  • Wie verhält es sich mit der Sozialversicherung?
  • Für wen ist die Kleiunternehmerregelung eine Option (Stichwort Umsatzsteuer)?
  • Fazit: Wo liegen Vor- und Nachteile eines nebenberuflichen Gewerbes?
     

Nebenberufliches Gewerbe als Option: Zahlen und Fakten zur Ausgangslage

Aktuelle Zahlen belegen, dass die nebenberufliche Selbstständigkeit hierzulande boomt und somit ein möglicher Weg ist, um sich langfristig gesehen eine eigene finanzielle Existenz aufzubauen. Tendenziell machen sich etwa 50 % aller Gründer zunächst nebenberuflich selbstständig (2011 waren es beispielsweise von insgesamt 835.000 Existenzgründern 443.000 im Nebengewerbe). Ein Gewerbe ist immer dann anzumelden, falls es sich um eine dauerhafte, erlaubte, selbstständige und auf Gewinn ausgelegte Tätigkeit handelt. Die Höhe der Umsätze ist zunächst unerheblich.
 

Voraussetzungen für ein nebenberufliches Gewerbe prüfen

Ein Nebengewerbe kann per Definition nur angemeldet werden, wenn der Existenzgründer einer hauptberuflichen Tätigkeit nachgeht, die den beruflichen Schwerpunkt ausmacht. Dies setzt auch voraus, dass der Arbeitgeber um Erlaubnis gefragt werden muss, denn die hauptberufliche Tätigkeit muss nach wie vor klar im Vordergrund stehen, sie darf keineswegs unter dem Nebengewerbe leiden. In diesem Falle könnte der Arbeitgeber die Tätigkeit sogar untersagen. Die Anmeldung eines Nebengewerbes wird genauso wie ein hauptberufliches Gewerbe vorgenommen. Im Formular zur Gewerbeanmeldung ist allerdings ein entsprechendes Kreuz bei Nebengewerbe zu setzen (Feld 16). Da u.a. das Finanzamt benachrichtigt wird, meldet sich dieses automatisch zur steuerlichen Erfassung des Nebengewerbes. Beitrage für die Industrie- und Handelskammer fallen für Existenzgründer in den ersten beiden Jahren nicht an. Da die Gewerbesteuer erst ab einem Gewinn von 24.500 Euro greift, ist in dieser Hinsicht bei einem Nebengewerbe meistens nicht mit hohen Abgaben zu rechnen.
 

Welche Kriterien müssen für ein nebenberufliches Gewerbe eingehalten werden?

Die Grundlogik ist, dass die berufliche Haupttätigkeit den Mittelpunkt darstellen muss. Einkommen und Arbeitszeit des nebenberuflichen Gewerbes müssen also geringer ausfallen, ansonsten sind die formalen Grundvoraussetzungen nicht mehr erfüllt. Krankenkassen gehen üblicherweise davon aus, dass die Tätigkeit nicht mehr als 18 Stunden in der Woche einnehmen darf. An sich bleiben die nebenberuflich Gewerbetreibenden ja über ihr Arbeitsverhältnis sozialversichert. Wird das Nebengewerbe allerdings irgendwann zur hauptberuflichen Tätigkeit und die abhängige Beschäftigung wird gekündigt, dann besteht die Chance, in die private Krankenversicherung zu wechseln. Dies funktioniert für Arbeitnehmer nur, wenn die aktuelle Jahresarbeitsentgeltgrenze übertroffen wird. Das zusätzliche Gehalt aus dem Nebengewerbe, das bei der Steuererklärung anzugeben ist, kann dazu beitragen. Wer aus seinem Nebengewerbe ein Hauptgewerbe macht, kann weiter freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen oder nach privaten Alternativen suchen.
 

Ohne die Einwilligung des Arbeitgebers geht nichts

Interessenten sollten den Arbeitgeber unbedingt informieren, um keine Streitigkeiten oder einen tiefgreifenden Vertrauensbruch zu riskieren. Wenn sich der Umfang des Nebengewerbes in Grenzen hält und die Arbeitsleistung nicht darunter leidet und keine Kunden abgeworben werden, so spricht aus Sicht des Arbeitgebers nichts gegen eine Bewilligung. In vielen Arbeitsverträgen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine nebenberufliche Tätigkeit gemeldet werden muss.
 

Sozialversicherungspflicht und das Nebengewerbe

Mit dem Nebengewerbe entstehen keine zusätzlichen Sozialversicherungen, dennoch muss die Krankenkasse benachrichtigt werden, da die Einnahmen bzw. Gewinne für den individuellen Beitragssatz berücksichtigt werden. Wer sein Nebengewerbe nicht bei der gesetzlichen Krankenkasse meldet, muss mit Nachzahlungen rechnen. Anders verhält es sich in der privaten Krankenversicherung, denn hier ist die Höhe der Beiträge nicht vom Einkommen, sondern vom Alter und individuellen Gesundheitsrisiken abhängig. Wenn die nebenberufliche Tätigkeit irgendwann den Schwerpunkt einnimmt, so öffnet der Status ‚selbstständig‘ auch unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze den Weg in die private Krankenversicherung.
 

Genehmigungen und Voraussetzungen im Zuge der nebenberuflichen Gewerbeanmeldung prüfen

Auch für ein Nebengewerbe gelten u.a. erweiterte Erlaubnispflichten, die auf diesem Portal für verschiedene Bereiche praxisnah beleuchtet werden. Solche Regeln gelten etwa für Versicherungs- und Immobilienmakler, auch im Gastronomiebereich sind Fachkenntnisse nachzuweisen. Ein Nebengewerbe setzt die Zulassungsvoraussetzungen, die je nach Branche in der Gewerbeordnung detailliert beschrieben werden, also keinesfalls herunter. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, schon vor der Gewerbeanmeldung professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, beispielsweise bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer.
 

Steueraspekte für nebenberuflich Gewerbetreibende

Dem Finanzamt ist es eigentlich egal, in welcher Form Gewinne erzielt werden: Es will daran aber auch verdienen! Daher müssen Einnahmen aus dem Gewerbe in der Steuererklärung an entsprechender Steller unter ‚Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit‘ angegeben werden. Unter Berücksichtigung der persönlichen Steuermerkmale sind dann auch Steuern für die nebengewerblich erzielten Einnahmen zu entrichten. Da ja mit der Haupttätigkeit eigentlich immer der Grundfreibetrag deutlich übertroffen wird, kann dieser nicht für die Nebeneinkünfte in Anspruch genommen werden.
 

Die Kleiunternehmerregelung als mögliche Option (keine Erhebung der Umsatzsteuer)

An sich sind die nebenberufliche Gewerbetätigkeit und die Kleinunternehmerregelung keine automatischen ‚Verbündeten‘. Wenn jedoch klar ist, dass die Gewinne im Nebengewerbe bestimmte Grenzen aufgrund des Umfanges der Tätigkeit und der Gewinnmargen nicht übertroffen werden, so kann die Kleinunternehmerregelung genutzt werden. Auf Rechnungen muss dann keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden. Auch die Buchhaltung gestaltet sich in diesem Fall wesentlich einfacher, da eine einfache EÜR (Einnahme-Überschuss-Rechnung) ausreicht.
 

Arbeitslosigkeit und nebenberufliche Gewerbetätigkeit

Selbst im Falle der Arbeitslosigkeit kann ein Nebengewerbe ausgeübt werden, wenn die Arbeitszeit nicht über 15 Wochenstunden liegt. 165 Euro des erzielten Einkommens sind dabei anrechnungsfrei. Allerdings ist es Pflicht, eine solche nebengewerbliche Tätigkeit dem zuständigen Arbeitsamt mitzuteilen.

Um die individuelle Ausgangssituation für die Option ‚nebenberufliches Gewerbe‘ ganzheitlich beleuchten zu können, sollen als Zusammenfassung die wichtigsten Vor- und Nachteile kompakt dargestellt werden:

Chancen realistisch bewerten: Die Vorteile eines nebenberuflichen Gewerbes

  • es kann ohne Risiko und mit sicherem Einkommen aus dem Hauptberuf getestet werden, ob eine Geschäftsidee funktioniert
  • das Risiko des Scheiterns wird in finanzieller Hinsicht erheblich reduziert
  • durch das stetige Einkommen lassen sich im Nebengewerbe attraktive Finanzierungsspielräume nutzen
  • sofern eine neue Herausforderung gesucht wird oder die Arbeitslosigkeit droht, kann aus dem Nebengewerbe ein Vollerwerb werden (damit öffnet sich auch der Weg in die private Krankenversicherung)
  • durch eine Befreiung von den Beiträgen zur IHK in den ersten beiden Jahren und einen Freibetrag bei der Gewerbesteuer ist für die zusätzlichen Einnahmen nur Lohnsteuer zu entrichten
  • das bisherige Arbeitseinkommen kann erhöht werden, im Nebenerwerb kann völlig selbstbestimmt agiert werden
     

Die nebenberufliche Gewerbeanmeldung: die wichtigsten Nachteile in der Übersicht

  • unter Umständen entsteht eine enorme Doppelbelastung, weniger Zeit für Familie und Freizeit
  • neben einem Vollzeitjob bleibt womöglich nicht die erforderliche Zeit, um das Geschäft mit den nötigen Ressourcen zielfokussiert voranzutreiben
  • weniger zeitliche Flexibilität durch die Gebundenheit an den Hauptberuf (Nachteile gegenüber Kunden im Vergleich zu einem hauptberuflichen Gewerbe)
  • mögliche Risiken und Schulden müssen mit dem Gehalt gestemmt werden
  • dem Arbeitgeber kann das Nebengewerbe ein Dorn im Auge sein. Er kann es untersagen, wenn die Arbeitstätigkeit nachweislich darunter leidet
  • mögliche Kunden, Lieferanten, Kooperationspartner und Investoren/Banken könnten die Rahmenbedingungen einer nebenberuflichen Gewerbetätigkeit negativ bewerten

Was passiert mit meiner Krankenversicherung nach der Gewerbeanmeldung?

Im Zuge Ihrer Gewerbeanmeldung sollten Sie sich nun zeitnah um Ihre Krankenversicherung kümmern. Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr automatisch Pflichtmitglied in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse und müssen sich dort auf Antrag befreien lassen. Die Beiträge werden nun nach Ihrem Einkommen erhoben. Die Kosten belaufen sich im Jahr zwischen... [ weiter >>> ]

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  • Die offizielle Gewerbeanmeldung ist mit dem letzten Schritt in die berufliche Selbstständigkeit gleichzusetzen. Neben der erwünschten Selbstbestimmtheit kommt aber auch mehr Verantwortung auf jeden Gewerbetreibenden zu.

  • Im Rahmen der ganzheitlichen Planung der Existenzgründung als Parkettverleger spielen formale Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle. Angehende selbstständige Parkettverleger sind gut beraten, die individuellen Startvoraussetzungen frühzeitig zu klären, um kostenintensive Verzögerungen zu vermeiden.

  • Grundsätzlich sollten Existenzgründer wissen, dass die Berufsbezeichnung ‚Eventmanager‘ momentan (noch) nicht geschützt ist, sodass sich eigentlich jeder unabhängig von seinem beruflichen Hintergrund so nennen darf. Generell ist eine selbstständige Berufstätigkeit in den allermeisten Fällen gewerbepflichtig und somit gegenüber dem zuständigen Gewerbeamt anzuzeigen.