Was ist ein Kleingewerbe?

Die offizielle Gewerbeanmeldung ist mit dem letzten Schritt in die berufliche Selbstständigkeit gleichzusetzen. Neben der erwünschten Selbstbestimmtheit kommt aber auch mehr Verantwortung auf jeden Gewerbetreibenden zu. Daher kann es Sinn machen, zunächst einen nebenberuflichen Einstieg zu wählen, um sich ein Geschäft und die dafür notwendigen Strukturen und Prozesse aufzubauen. In solchen Fällen ist ein so genanntes Kleingewerbe eine mögliche Option, die zahlreiche Erleichterungen mit sich bringt. Genau diese sollen im folgenden Beitrag praxisorientiert erläutert werden.
 

Wissenswertes zum Kleingewerbe: Worüber dieser Beitrag informiert

  • Wie lässt sich ein Kleingewerbe definieren/feststellen?
  • Muss ein Kleingewerbe angemeldet werden?
  • Welche Vorteile und Pflichten bringt ein Kleingewerbe mit sich?
  • Welche zentralen Aspekte sind noch zu bedenken?
     

Eine begriffliche und inhaltliche Annäherung an das Kleingewerbe

Grundlegend kann man sagen, dass Kleingewerbe solche Unternehmen sind, die die Kleinunternehmerregelung des Umsetzsteuergesetzes nutzen bzw. deren Jahresgewinn nicht höher als 50.000 Euro ist. Werden bestimmte Umsatzgrenzen eingehalten, so muss keine Umsatzsteuer auf Rechnungen ausgewiesen werden. Von zentraler Bedeutung aber ist, dass es keine Rechtsform namens Kleingewerbe gibt. Im Grunde genommen handelt es sich um ein ganz normales Gewerbe, das aufgrund anfänglich geringer Umsätze Erleichterungen für sich beansprucht.

Anstelle von Kleingewerbe sind auch die Begriffe Kleinunternehmer oder Kleinstgewerbe gebräuchlich. Auf den Punkt gebracht handelt es sich um ein Gewerbe, das die Kleinunternehmerregelung nutzt. Kleingewerbetreibende sind nicht dazu verpflichtet, alle Rechte und Pflichten von Kaufleuten zu berücksichtigen. Sofern die Umsätze die aktuellen geltenden Umsatzgrenzen (z.B. 50.000 Euro im 2. Geschäftsjahr) nicht übertroffen werden, reduziert sich der buchhalterische Aufwand erheblich. Dadurch müssen Gewerbetreibende weniger Ressourcen für diesen Bereich aufbringen. Auch die nicht auszuweisende Umsatzsteuer kann im Privatkundengeschäft ein Vorteil sein, wohingegen Unternehmen als Geschäftspartner ohnehin in den meisten Fällen die Vorsteuer geltend machen können.
 

Muss ich ein nebenberufliches Gewerbe anmelden?

Grundsätzlich muss auch jedes Nebengewerbe offiziell angemeldet werden. Das Argument der niedrigen Umsätze zählt nicht, denn ohnehin sorgen Freibeträge dafür, dass geringe Einnahmen nicht belastet werden. Eine Tätigkeit ist dann gewerblich, wenn sie selbstständig und dauerhaft mit dem Ziel der Gewinnerzielung ausgeübt wird. Dies trifft freilich auch auf eine nebenberufliche Tätigkeit zu, die nur wenige Stunden im Monat ausgeübt wird. Für die Notwendigkeit zur offiziellen Gewerbeanmeldung ist der genaue zeitliche und finanzielle Umfang zunächst nicht relevant, zumal er sich nie genau bestimmen und voraussagen lässt. Beim Gewerbeamt melden Interessenten auch kein Kleingewerbe an, sondern vielmehr beim Finanzamt. Im Rahmen der steuerlichen Erfassung wird angegeben, welche Einnahmen erwartet werden und ob die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen wird. Hieraus ließe sich rein formal ein Kleingewerbe ableiten. Auch ein Nebengewerbe kann schnell diesen Status verlieren, wenn hohe Umsätze erzielt werden. Die Gewerbeordnung (Paragraf 14 GewO) sieht vor, dass eine Anmeldung spätestens ab Aufnahme der Tätigkeit Pflicht ist. Nur Freiberufler sind generell von dieser Pflicht befreit. Auf diesem Portal finden Interessenten viele praxisorientierte Hilfestellungen, auch was die Wahl einer optimalen Krankenversicherung angeht.
 

Welche praktischen Vorteile ein Kleingewerbe mit sich bringt

Wie bereits angedeutet, sind Kleingewerbetreibende keine Kaufleute im engeren Sinne, sodass die doppelte Buchführungspflicht entfällt (solange die geltenden Umsatzgrenzen eingehalten werden). Am Ende des Geschäftsjahres reicht eine einfache Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) bei der Steuererklärung. Die Buchhaltung sieht in erster Linie vor, Einnahmen und Ausgaben zu dokumentieren, eine Pflicht für Inventare besteht nicht. Dementsprechend müssen Kleingewerbetreibende auch keine Bilanz erstellen, was mitunter erhebliche Vereinfachungen und zeitliche sowie finanzielle Entlastungen mit sich bringen kann. Auch müssen Jahresabschlüsse nicht veröffentlicht werden, so wie es bei Kapitalgesellschaften etwa durch das Gesetz der Fall ist. Insofern kann sich ein Kleingewerbetreibender nicht in die Karten gucken lassen, wenngleich der Status an sich einen groben Rahmen vorgibt. Die Pflicht zur Umsatzsteuer ergibt sich daraus, ob die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen wird oder nicht.
 

Zentrale Zahlen und Grenzen rund um das Kleingewerbe

Bei einem Kleingewerbe mit vereinfachter Buchführung müssen die Umsätze unterhalb einer Grenze von 500.000 Euro (der Gewinn dementsprechend unter 50.000 Euro) im Jahr liegen. Anstelle der einschlägigen Vorschriften des Handelsgesetzbuches treten die Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Gewerbesteuer wird übrigens erst dann mit Blick auf den geltenden Hebesatz fällig, wenn der Jahresgewinn mehr als 24.500 Euro beträgt (darunter greift der vorgesehene Freibetrag). Wird einen Gewerbe nebenberuflich betrieben, so sind die Einnahmen an entsprechender Stelle bei der Steuererklärung anzugeben.
 

Fazit: Das Kleingewerbe als strategische Option für den Start in die Selbstständigkeit

Sobald eine gewerbliche Tätigkeit aufgenommen wird, muss sie beim Gewerbeamt angemeldet werden. Die Kriterien für eine gewerbliche Tätigkeit wurden hier diskutiert. Die Höhe der Einkünfte und der Umfang der Arbeitstätigkeit spielen dabei zunächst keine Rolle. Sofern die Gewinne die Grenze von 50.000 Euro nicht überschreiten, kann der Status des Kleinunternehmers beansprucht werden. Dadurch kann sich der Kleingewerbetreibende von der Umsatzsteuer befreien lassen und zahlreiche buchhalterische Vereinfachungen genießen. In der Startphase kann er sich so voll und ganz auf seine täglichen Aufgaben konzentrieren. Für Gewerbe, die sofort mit deutlich höheren Gewinnen operieren, stellt sich diese Option nicht. Hier ist eher zu fragen, welche Rechtsform einen sinnvollen Rahmen für die zu tragenden unternehmerischen Risiken eröffnet.
 

Alles Wissenswerte rund um ein Kleingewerbe in der kompakten Zusammenfassung

  • grundsätzlich muss jedes Gewerbe angemeldet werden (unabhängig vom Umfang), sofern eine erlaubte Tätigkeit dauerhaft mit einer Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird
  • der Begriff Nebengewerbe meint keine Rechtsform: Es handelt sich vielmehr um steuerliche und buchhalterische Erleichterungen, sofern die jährliche Gewinngrenze von 50.000 Euro nicht übertroffen wird
  • ein Kleingewerbe kann daher eigentlich auch nicht direkt beantragt werden: vielmehr wird es durch die steuerliche Erfassung beim Finanzamt gewährt
  • nach außen zeigt sich ein Kleingewerbe am deutlichsten durch die Nutzung der Kleinunternehmerregelung (= Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht, sofern Gewinngrenzen nicht überschritten werden)
  • Kleingewerbetreibende können sich von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen
  • Gewerbesteuer fällt erst ab einer Gewinngrenze von 24.500 Euro an (die Höhe richtet sich vor allem nach dem geltenden Hebesatz in der Stadt/Gemeinde)

Was passiert mit meiner Krankenversicherung nach der Gewerbeanmeldung?

Im Zuge Ihrer Gewerbeanmeldung sollten Sie sich nun zeitnah um Ihre Krankenversicherung kümmern. Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr automatisch Pflichtmitglied in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse und müssen sich dort auf Antrag befreien lassen. Die Beiträge werden nun nach Ihrem Einkommen erhoben. Die Kosten belaufen sich im Jahr zwischen... [ weiter >>> ]

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