Als Azubi nebenbei ein Gewerbe anmelden?

Als Azubi ein Gewerbe anmelden? Oft wird von Politikern mehr Fleiß und Engagement sowie Eigenverantwortung verlangt. Die Gewerbeanmeldung als Azubi könnte ein positives Vorbild dafür sein. Grundsätzlich können Azubis ein Gewerbe anmelden, sie sollten aber die strikten Rahmenbedingungen und mögliche Problemfelder von Beginn an auf dem Bildschirm haben, spätestens ab jetzt mit diesem Ratgeber.
Erlaubt ist das, solange die Ausbildung der Schwerpunkt bleibt: Ein Kleingewerbe neben der Ausbildung ist rechtlich ein Nebengewerbe. Der Ausbildungsbetrieb muss davon wissen und kann es untersagen, wenn die Ausbildungsziele leiden. Wer noch keine 18 ist, braucht dafür mehr als das Einverständnis der Eltern.
Das Fragezeichen hinter „Azubi Gewerbeanmeldung“ ist bewusst gewählt!
Zeitmanagement, intensive Anforderungen, Interessenskonflikte (Ausbildungsbetrieb muss einverstanden sein) und Work-Life-Balance: Kann allem die notwendige Kraft und Aufmerksamkeit als Auszubildender gewidmet werden? Diese zentrale Frage sollten sich Azubis ehrlich stellen, wenn sie mit der Möglichkeit der Gewerbeanmeldung spielen.
Darf man als Azubi ein Gewerbe anmelden?
Ja, Azubis dürfen ein Gewerbe anmelden und ausführen, allerdings wird es sich „nur“ um ein Nebengewerbe handeln können – als nebenberuflich gilt eine Selbstständigkeit in der Regel bis zu 20 Wochenstunden. Die praktische und theoretische Ausbildung wird den Schwerpunkt ausmachen, zumal hier oft von Vollzeit auszugehen ist. Insofern werden die zeitlichen Ressourcen nach einer Gewerbeanmeldung als Auszubildender begrenzt sein.
Gewerbe anmelden: Probleme mit Berufsausbildungsbeihilfe
Zu beachten sind auch mögliche Konflikte mit der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Sie rechnet alle Einkünfte oberhalb eines Freibetrags für Nebenverdienste von 389 Euro im Monat an (Umsätze werden allerdings um Betriebsausgaben noch gemindert). Damit liegt die formale Grenze bei rund zwei Dritteln eines Minijobs, was nur einer Handvoll Arbeitsstunden pro Woche entspräche.
Falls das Argument für die Gewerbeanmeldung als Azubi „ich bin knapp bei Kasse“ ist, bleibt durch Anrechnung nicht viel übrig.
Diese Grenzen sollten Azubis mit Nebengewerbe kennen
| Bereich | Grenze | Was darüber passiert |
|---|---|---|
| Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) | 389 € Nebeneinkommen im Monat anrechnungsfrei (seit 1.1.2026) | Der übersteigende Gewinn wird auf die BAB angerechnet, die Beihilfe sinkt entsprechend. |
| Kindergeld während der Erstausbildung | keine Verdienst- und keine Stundengrenze | Der Anspruch bleibt bestehen, auch bei hohem Gewinn aus dem Gewerbe. |
| Kindergeld nach abgeschlossener Erstausbildung | höchstens 20 Wochenstunden Erwerbstätigkeit | Darüber entfällt der Anspruch (§ 32 Abs. 4 Satz 3 EStG). |
| Krankenversicherung | in der Regel bis 20 Wochenstunden nebenberuflich | Darüber prüft die Kasse die Einstufung als hauptberuflich Selbstständiger mit eigenem Beitrag. |
| Umsatzsteuer (§ 19 UStG) | 25.000 € Umsatz im Vorjahr, 100.000 € im laufenden Jahr | Darüber endet die Kleinunternehmerregelung, die Umsatzsteuer ist auszuweisen und abzuführen. |
| Einkommensteuer | Grundfreibetrag derzeit 12.348 € im Jahr, die Ausbildungsvergütung zählt mit | Auf den übersteigenden Teil fällt Einkommensteuer an (§ 32a EStG). |
Alles Wichtige zur Gewerbeanmeldung als Azubi auf einen Blick:
- Azubi können ein Gewerbe anmelden, Einverständnis des Arbeitgebers vorausgesetzt.
- Durch zeitliche Begrenzung kann es sich nur um ein Nebengewerbe handeln (als nebenberuflich gelten in der Regel bis zu 20 Wochenstunden, was bei einer Ausbildung in Vollzeit ohnehin kaum erreichbar ist).
- Ist die Tätigkeit dauerhaft auf Gewinn ausgerichtet, ist formal eine Gewerbeanmeldung notwendig (zeitlich begrenzte Ferienjobs machen in der Regel keine Gewerbeanmeldung erforderlich).
- Das Gewerbeamt unterscheidet übrigens nicht nach unterschiedlichen Gewerbearten: Die Höhe der regelmäßigen (!) Einkünfte hat insofern keinen Einfluss auf die Notwendigkeit der Gewerbeanmeldung.
- Sind Azubis zum Zeitpunkt der Gewerbeanmeldung noch nicht 18 Jahre alt und somit eingeschränkt geschäftsfähig, ist eine Ermächtigung der Eltern mit Genehmigung des Familiengerichts notwendig (§ 112 BGB). Das kann sich in der Praxis als schwierig erweisen.
Als Azubi Gewerbe anmelden: Arbeitgeber fragen?
Ja! Es ist dringend zu empfehlen, dass Azubis vor der Absicht, ein Gewerbe anzumelden, das Gespräch mit dem Arbeitgeber bzw. Ausbildungsverantwortlichen zu suchen. Gerade angesichts einer Vollzeittätigkeit sind doch einige Interessenskonflikte zu befürchten, was die Zustimmung des Arbeitgebers erforderlich macht.
Hinzu kommt, dass Auszubildende einen besonderen Status genießen. Ausbildungsbetriebe haben demnach einen erzieherischen Auftrag mit Blick auf die Ausbildungsziele. Sind diese in Gefahr, kann der Ausbildungsbetrieb eine bekannte, gewerbliche Nebentätigkeit untersagen. Der Arbeitgeber haftet für die Erreichung der Ausbildungsziele.
Wann kann der Arbeitgeber Azubis eine Nebentätigkeit untersagen?
Die Untersagung einer nebenberuflichen Gewerbeausübung kann erfolgen, wenn …
- der Azubi ständig müde ist oder oft ausfällt.
- die schulischen Leistungen schlechter werden (Rückmeldung von Lehrern).
- sich Fehler bei der Arbeit häufen.
- das erforderliche Berichtsheft nicht ausreichend gepflegt wird.
Gewerbe anmelden als Azubi: Ab wann?
Für sporadische oder eher hobbymäßige Tätigkeiten müssen Azubis kein Gewerbe anmelden (auch nicht für freiberufliche Tätigkeiten nach § 18 Einkommensteuergesetz). Zeitlich begrenzte Tätigkeiten während Ferien oder Urlaub führen im Regelfall nicht zur Notwendigkeit, ein Gewerbe als Azubi anmelden zu müssen.
Die Pflicht greift erst, wenn die Tätigkeit dauerhaft gewinnorientiert ist und auf eigene Rechnung gearbeitet wird. Ein entsprechender Aufbau eines Betriebs ist als Erfüllung für den Gewerbebegriff zu sehen.
Wichtig! Keine bestimmte Grenze für Gewerbeanmeldung
Es gibt weder für Azubis noch für alle anderen Gewerbetreibenden eine fixe Grenze, ab der ein Gewerbe anzumelden ist. Geringe Umsätze sind also KEIN Grund, auf eine notwendige Gewerbeanmeldung als Azubi zu verzichten.
Es ergeben sich auch keine unmittelbaren Nachteile, da die Gewerbeanmeldung nur mit geringen Kosten verbunden ist – je nach Kommune ca. 20 bis 65 Euro – und Gewerbesteuer oberhalb eines bereinigten Gewinns von mehr als 24.500 Euro pro Jahr zu zahlen wäre. Das dürfte nur auf die allerwenigsten Auszubildenden zutreffen.
Motivcheck: Warum Gewerbe anmelden als Azubi?
- Geringe Hürden: Gewerbeanmeldung ist (immer öfter online) schnell erledigt.
- Keine hohen Kosten.
- Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und persönlich zu wachsen.
- Langfristige Perspektiven aufbauen und als Sicherheit einen Berufsabschluss in der Tasche haben.
- Es gibt viele digitale Möglichkeiten gerade für die junge Generationen (Stichwort Geld verdienen im Internet, als Streamer oder Influencer).
Es kann kompliziert werden: beschränkte Geschäftsfähigkeit unter 18
Weitere formale Einschränkungen sind zu beachten, wenn der Auszubildende bei der Gewerbeanmeldung noch keine 18 Jahre alt ist. Das Alter der vollen Geschäftsfähigkeit ist noch nicht erreicht, sodass Azubi mit einer beschränkten Geschäftsfähigkeit agieren müssten.
Jetzt müssen die Eltern ins Spiel kommen, wenn wirksame Verträge abgeschlossen werden sollen. Deren Einverständnis allein genügt für ein eigenes Gewerbe allerdings nicht: Nach § 112 BGB ist eine Ermächtigung zum selbstständigen Betrieb eines Erwerbsgeschäfts nötig, und die wiederum braucht die Genehmigung des Familiengerichts. Darin können viele Konfliktpotenziale liegen und nicht wenige Geschäftspartner werden das kritisch bewerten, auch wenn sie Bewunderung für so viel Engagement in jungen Jahren äußern.
Gewerbeanmeldung durch Minderjährige: Was vorher zu klären ist
Ausnahmen sind nur mit dem so genannten Taschengeldparagrafen möglich, dabei handelt es sich aber kaum um eine gewerbliche Tätigkeit.
Was passiert mit der Krankenversicherung nach Gewerbeanmeldung als Azubi?
Im Falle der nebenberuflichen Selbstständigkeit besteht kein weiterer Handlungsbedarf, es läuft mit der Krankenversicherung alles weiter wie bisher. Wer eine betriebliche Ausbildung mit Vergütung macht, ist dabei nicht über die Eltern familienversichert, sondern nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V selbst pflichtversichert. Kostenfrei über die Eltern mitversichert bleiben nur Azubis in einer rein schulischen Ausbildung ohne Vergütung, dort bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres.
Ob die Krankenkasse genauer hinsieht, hängt weniger am Verdienst als am zeitlichen Umfang: Ab mehr als 20 Wochenstunden prüft sie, ob die Selbstständigkeit die Ausbildung überflügelt und aus dem Neben- ein Hauptgewerbe geworden ist. Es kann sein, dass die Pflicht zum Abschluss einer eigenen Krankenversicherung greift, womit der Gewinn erheblich gemindert wird (in jedem Fall ist mit Kosten deutlich über 200 Euro zu rechnen).
Als Azubi in die private Krankenversicherung wechseln?
Durch die Pflichtversicherung ist es für Azubi nicht möglich, in die PKV zu wechseln. Sie müssten dann den Azubi-Status hinter sich lassen und voll als Gewerbetreibende durchstarten. Niedrige Bonität könnte bei sehr jungen Versicherten zu einer Ablehnung führen. Generell ist die PKV aber für Studenten / junge Menschen aufgrund günstiger Tarife eine sehr prüfenswerte Option.
Als Azubi Gewerbe anmelden: Welche Steuern zahlen?
Generell unterliegen mögliche Gewinne den persönlichen Einkommensverhältnissen. Wer als gewerbetreibender Azubi für die Kleinunternehmerregelung optiert, kann auf den Ausweis der Umsatzsteuer auf Rechnungen und somit die regelmäßige Abführung an das Finanzamt verzichten. Meistens sollte bei der notwendigen Steuererklärung eine einfache Einnahme-Überschussrechnung (EÜR) reichen. Der buchhalterische Aufwand für Azubis hielte sich also in Grenzen.
Kleinunternehmer-Rechner: Liege ich unter der Umsatzgrenze?
Muss ich als Azubi Gewerbesteuer abführen?
Gewerbesteuer fällt erst an, sobald die jährliche Freibetragsgrenze von 24.500 Euro überschritten ist. Aufgrund geringer (Lebens)erfahrung mit der komplexen Steuermaterie kann es Sinn machen, sich professionell oder durch versierte Bekannte beraten zu lassen.
Gewerbesteuer-Rechner: Bleibt mein Gewinn unter dem Freibetrag?
Zusammenfassung: Als Azubi Gewerbe anmelden?
Es ist möglich, als Azubi ein Gewerbe anzumelden. Allerdings hat dieser Ratgeber gezeigt, dass es sich nur um ein Nebengewerbe wird handeln können. Gerade für minderjährige Azubis ergeben sich bei der Gewerbeanmeldung durch die eingeschränkte Geschäftsfähigkeit weitere Herausforderungen.
Das Arbeitspensum kann enorm sein, schlechte Leistungen in Schule und Ausbildungsbetrieb können zur Untersagung eines Nebengewerbes führen. Azubis sollten sich ehrlich hinterfragen, ob sie die Doppelbelastung auf sich nehmen oder nicht eher an einer ausgewogenen Work-Life-Balance festhalten wollen.
Ein Schritt für die eigene Zukunft?
Auf der persönlichen Ebene spricht vieles für die Gewerbeanmeldung als Azubi, sofern die Leistungen weiter gut bleiben und das Ziel des Berufsabschlusses erreicht wird. Für die Übernahme von Verantwortung und die Persönlichkeitsentwicklung ist unternehmerisches Engagement in jungen Jahren sicher ein großer Gewinn. Im Idealfall entwickelt sich ein hauptberufliches Standbein, sodass das Gewerbe nach erfolgreicher Abschlussprüfung mit 100 % Zeiteinsatz betrieben werden kann.
Bei späteren Bewerbungen werden viele Arbeitgeber diesen ambitionierten Weg sicher zu schätzen wissen, selbst wenn er irgendwann zu Ende ist. Disziplin, Selbstständigkeit, Wille und Ehrgeiz sind Eigenschaften, die überall auf dem Arbeitsmarkt ein hohes Ansehen genießen.
Abschließende Checkliste: Als Azubi Gewerbe anmelden?
- Das ist rechtlich möglich bzw. sogar notwendig, sobald eine dauerhafte Gewinnerzielungsabsicht vorliegt.
- Minderjährige gewerbetreibende Azubis sind bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres auf eine Ermächtigung der Eltern samt Genehmigung des Familiengerichts angewiesen.
- Die Gewerbetätigkeit ist für Azubis zeitlich auf ein Nebengewerbe begrenzt, der Ausbildungsbetrieb ist um Erlaubnis zu fragen.
- Wer mit einem Nebengewerbe als Azubi zu viel verdient, riskiert die Anrechnung auf die Berufsausbildungsbeihilfe und – bei zu großem Zeitaufwand – die Einstufung als hauptberuflich Selbstständiger mit eigenem Krankenkassenbeitrag.
- Daher muss die am Ende alles entscheidende Frage beantwortet werden, ob sich die Gewerbeanmeldung als Azubi lohnt? Das kann nur jeder für sich entscheiden!
Zuletzt aktualisiert: 09.09.2026
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